Schadensersatz für Verluste im Online Casino

Hammer Waage Symbolbild

Verluste im Online Casino zurückholen – geht das?

Schnell mal im Online Casino ein paar Runden an den Walzen drehen und ebenso schnell ist das eingesetzte Geld futsch. Wenn du nur ein paar Euro eingesetzt hast, kannst du den Verlust sicherlich verschmerzen. Wie sieht es aber aus, wenn plötzlich mehrere hundert oder sogar tausend Euro verzockt worden sind? Kann man sich das verlorene Geld irgendwie zurückholen? Das ist tatsächlich möglich. Seit der Einführung des neuen deutschen Glücksspielstaatsvertrags jedoch nicht mehr ganz so einfach wie zuvor.

Schneller Dreh, schnelle Pleite

Kennst du das Problem? Du wolltest eigentlich nur etwas Geld im Online Casino verdienen, weil die rund um die Uhr im Fernsehen laufenden Werbespots suggerieren, dass man in derartigen Spielhallen ganz einfach zum zweiten Dagobert Duck werden kann. Und nun hast du einen Haufen Geld verspielt. Geld, dass du ja eigentlich vervielfachen wolltest?

Mit diesem Problem bist du definitiv nicht allein. Es gibt Menschen, die bereits tausende von Euros an den kunterbunten Spielautomaten verloren haben und deren Existenz aufgrund ihres Suchtverhaltens nun sogar einzustürzen droht. Nicht allzu viele Spieler wissen jedoch, dass es durchaus möglich ist, verlorenes Geld relativ unkompliziert zurückzuholen. Im Internet gibt es mittlerweile unzählige Unternehmen und Anwaltskanzleien, die sich genau auf dieses Thema spezialisiert haben und bereits mehrere Fälle gewinnen konnten. Mit anderen Worten: Besuchern von verschiedensten Online Casinos konnten ihre Verluste vollständig zurückgezahlt werden.

Wie kann das sein, dass mir ein Online Casino meine Verluste erstattet?

Wer sich etwas näher mit Online Casinos beschäftigt, wird sicher noch wissen, dass die verschiedenen Anbieter ihre Slots in der TV-Werbung stets mit den Worten „Nur für Spieler mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein“ beworben haben. Damals war Schleswig-Holstein das einzige deutsche Bundesland, das eine Glücksspiellizenz vergab. Dementsprechend durften streng genommen auch nur Einwohner aus diesem Bundesland in Online Casinos spielen. Dumm nur: Die Betreiber der Online Spielotheken akzeptierten auch weiterhin Spieler aus anderen Bundesländern und gewährten diesen ohne weitere Probleme den Zugang zu ihrem Angebot. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Da die Spieler eigentlich niemals dort hätten spielen dürfen, waren die Online Casinos für sie zu diesem Zeitpunkt illegal. Und damit sind auch die zwischen dem Kunden und dem Betreiber abgeschlossenen Verträge ungültig.

Zahlreiche Gerichte haben aufgrund dieser Grundlage bereits Urteile im Sinne des Kunden gefällt und die Casinos dazu verdonnert, die geflossenen Gelder zurückzuzahlen. Deren Betreiber stützten sich allerdings auf die Begründung, dass sie sich im Besitz einer europäischen Lizenz aus Malta oder Zypern befänden und ihre Dienste daher auch in Deutschland, als ein Teil der EU, anbieten dürften. Der Bundesgerichtshof hielt allerdings dagegen und verkündete in einem Urteil (Az. I ZR 194/20), dass es sich beim Angebot der Casinos um „unerlaubte öffentliche Glücksspiele“ handeln würde, die somit auch niemals in ganz Deutschland hätten beworben werden dürfen. In einem weiteren Urteil (I ZR 199/20) verkündete der BGH, dass das deutsche Online-Glücksspielverbot mit europäischem Recht vereinbar ist. Eine reine Duldung des Angebots, wie es in Deutschland über viele Jahre hinweg der Fall war, würde nicht gleichzeitig zu einer Legalisierung des selbigen führen.

Wie viel verlorenes Geld kann ich mir zurückholen lassen?

Wenn du größere Summen im Online Casino verloren hast, ist es in der Regel kein Problem, dir deine gesamten Verluste zurückzuholen. Aufgepasst: Wir reden hier natürlich nur von den reinen Verlusten. Solltest du mit eingesetztem Geld einen Gewinn erzielt haben, kannst du dir dieses Geld nicht rückerstatten lassen. Die einfache Regel lautet also: Verluste minus Gewinne. Wirklich Sinn macht die Kontaktaufnahme mit einem Anwalt allerdings nur dann, wenn es sich um Summen von mehr als Tausend Euro handelt. Denn auch der Anwalt muss natürlich bezahlt werden. Und eine abgeschlossene Rechtsschutzversicherung springt hier in der Regel nicht ein. Bevor man einen erfahrenen Rechtsanwalt auf diesem Gebiet kontaktiert, sollte man sich also unbedingt die Frage stellen, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt.  Oder ob die Kosten für den Anwalt letztendlich höher ausfallen würden als das zurückerstattete Geld.

Wie lange zurück kann man sich Verluste erstatten lassen?

Hier wird es etwas knifflig. Die deutschen Bundesländer haben sich im Sommer 2021 auf den neuen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt, durch den das Glücksspiel in Deutschland fortan nicht mehr illegal ist. Eingeführt wurde dieser am 1. Juli 2021. Ein sehr wichtiges Datum. Seither gilt: Lediglich Verluste, die vor dem 1. Juli 2021 gemacht worden sind, können durch einen Rechtsanwalt zurückgefordert werden. Alle Verluste, die nach dem besagten Datum eingefahren wurden, gehören nun offiziell dem Casino, da das Online-Glücksspiel seit diesem Datum ja offiziell erlaubt ist.

Ebenfalls wichtig ist zudem, dass Verluste nur drei Jahre rückwirkend geltend gemacht werden können. Andernfalls verfallen diese ebenfalls. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass einige Anbieter sogar Rückerstattungen anbieten, die bis zu zehn Jahre zurück liegen können. Ob dies wirklich funktioniert, ist offenbar vor allem von dem jeweiligen Einzelfall und der Erfahrung der beauftragten Rechtsanwälte abhängig. Erwarte also erst einmal nicht zu viel und behalte die magische Zahl von drei Jahren im Hinterkopf.

Mein Tipp: Wende dich am besten an einen erfahrenen Rechtsanwalt mit guten Bewertungen auf unabhängigen Portalen, der auf Basis eines sogenannten Erfolgshonorars arbeitet. Sollte deine Rückerstattung erfolgreich verlaufen, zahlst du einen vereinbarten Teil davon an den beauftragten Anwalt. Auf diese Weise gehst du kein unnötiges Kostenrisiko ein.

Kann ich mir nicht vielleicht doch Verluste nach dem 1. Juli 2021 zurückholen?

In Einzelfällen ist es tatsächlich möglich, dass du dir auch Casino-Verluste zurückholen kannst, welche du nach dem 1. Juli gemacht hast. Gute Chancen hast du hierbei vor allem bei Online Casinos, die nach wie vor keine deutsche Glücksspiellizenz besitzen. Erfolgsversprechend könnte eine Klage in solch einem Fall auch sein, wenn es dir möglich war, in einem Online Casino mit deutscher Lizenz mehr als 1.000 Euro pro Monat einzuzahlen. Denn dies soll laut dem neuen Glücksspielstaatsvertrag nicht mehr möglich sein. Wenn du dich bereits erfolgreich in der neuen Sperrdatei OASIS eingetragen hast und dennoch weiterhin problemlos Geld in Online Casinos einsetzen kannst, stehen deine Chancen auf eine Rückholung deiner Verluste ebenfalls recht gut.

Kann eine Rückforderung von Casino-Verlusten zu Problemen führen?

Wie du dir sicherlich denken kannst, wird das Online Casino nicht gerade begeistert davon sein, wenn es tausende Euro an seine Kunden zurückzahlen muss. Du solltest also auf jeden Fall damit rechnen, dass du bei dem jeweiligen Anbieter nicht mehr erwünscht bist und dein Spielerkonto gesperrt wird. Beachte hierbei auch, dass einige Online Casinos von großen Ketten betrieben werden, die noch zahlreiche weitere Casinos leiten. Auch hier dürftest du dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lebenslanges Hausverbot haben.

Ebenfalls wichtig: Wenn du deine Einzahlungen mittels PayPal oder über einen ähnlichen Zahlungsanbieter getätigt hast, kann es durchaus passieren, dass auch dieser Zahlungsanbieter dein Benutzerkonto deaktiviert. Ferner kann eine Rückzahlung von mehreren tausend Euro sogar zu einem negativen Schufa-Eintrag führen. Durch den dir zu einem späteren Zeitpunkt in deinem Leben gegebenfalls Kredite verwehrt bleiben. Über diese und ähnliche Folgen einer Rückerstattung solltest du dich zuvor unbedingt anwaltlich beraten lassen.

Fazit:

Wenn du in der Vergangenheit massive Verluste in Online Casinos gemacht hast, musst du dich damit nicht abfinden. In der Regel können dir erfahrene Rechtsanwälte dabei helfen, deine Verluste vollständig zurückzuholen. Beachten solltest du hierbei allerdings, dass in den meisten Fällen lediglich Verluste erstattet werden können, die du vor dem 1. Juli 2021 gemacht hast – rückwirkend für drei Jahre. Verluste nach dem 1. Juli sind hingegen lediglich in Ausnahmefällen möglich.

 

Titelbild: Pixabay

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